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April | Woche 15

Welser-Möst wirft das Handtuch


von Hildegard Schwaninger

Man wunderte sich schon an der «Fledermaus»-Premiere, warum Dirigent Franz Welser-Möst (Abb.) dem diese Operette doch im Blut liegt, einfach nicht in Schwung kam. Jetzt ist klar: Er konnte sich mit der Inszenierung von Michael Sturminger nicht anfreunden. Schon nach zwei Vorstellungen legte er den Taktstock nieder. Für ihn übernahm bereits am Sonntag Ralf Weikert. Welser-Möst, designierter Chef der Wiener Staatsoper, ist in Wien sehr beschäftigt. Am 27. April hat er Premiere mit «Siegfried». Das Zürcher Publikum wartet jetzt gespannt auf «Carmen» (es inszeniert Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann, und Vesselina Kasarova gibt ihr Rollendébut), die letzte Oper, die er hier in seiner Funktion als GMD dirigiert.


Business Class

Pikanterweise fand die Veranstaltung an dem Ort statt, wo bis vor kurzem das Steueramt der Stadt Zürich war: Im Haus Metropol gegenüber der Nationalbank. Thema: «Warum Deutsche Steuern hinterziehen». Der Vortragssaal war gerammelt voll. Alles Herrn der Business-Klasse (unter ihnen Michael Prinz von und zu Liechtenstein), dünn gesät die Damen (so Finanzexpertin und Buchautorin Fleur Platow). Vortragende waren der Schweizer Volkswirtschafter Prof. Charles B. Blankart und Dr. Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V. Ernüchterndes Fazit, salopp gesagt: Wer in Deutschland ehrlich Steuern zahlt, ist ein Idiot! Und nachher, beim anschliessend grosszügig gespendeten Cocktail, war man sich einig: Wir müssen uns nicht wundern, wenn alle vermögenden Deutschen in die Schweiz ziehen wollen!
Spass beiseite: Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt, und Däke findet, dass dieses Vergehen mit allen Mitteln verfolgt und bestraft werden muss. Durch den spektakulären Fall des deutschen Post-Chefs Peter Zumwinkel, der um sieben Uhr früh von Steuerprüfern überrascht und aus seinem Haus abgeführt wurde, ist die Nation aufgerüttelt. Dräke: «Die Resignation der Bürger ist hoch. Weil Steuerehrlichkeit sich nicht auszahlt, und weil 77 Prozent der Bürger überzeugt sind, dass der Staat die Steuergelder verschwendet.» Das schürt die Wut. «Kein Wunder, dass die Reichen ins Ausland ziehen, aber der kleine Mann kann das nicht – das ist die störende Ungerechtigkeit.»
Veranstalter dieser Konferenz war die Progress Foundation, die hochkarätige Vorträge zu brennenden Themen organisiert. Kürzlich war Magdalena Martullo-Blocher, Chefin der Emser Werke, Gast und sprach engagiert und klar über das Unternehmertum. Sie kann ihren Vater, Alt-Bundesrat Christoph Blocher, nicht verleugnen, ist ihm unglaublich ähnlich. Dr. Marcel Studer, Präsident der Treuco Treuhandgesellschaft und Honorarkonsul von Irland, ist Präsident des Stiftungsrates der Progress Foundation, die sich für Liberalismus und Freie Marktwirtschaft einsetzt. Studer, ein engagierter Mensch mit Zivilcourage, sprach in seiner Begrüssung Klartext. Auf dem Hintergrund der angespannten Lage mit unserem Nachbarland Deutschland erklärte er: «Wir sind kein Steuersumpf. Wir sind ein Volk, das selber souverän seine Steuergesetze macht. Wir sind – mittelalterlich gesprochen – vielleicht Raubritter, aber lieber das als Diebe und Hehler» (Anspielung auf die Aussage des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück). Und: «Ist vielleicht mangelndes Vertrauen in den Staat der Grund für die Steuerhinterziehung?»
Dass der Mensch nicht alles wissen kann, wurde beim Cocktail deutlich. Da wurde von den Anwesenden – alles Experten – diskutiert über die Suprime-Krise, und Insiderwissen wurde ausgebreitet. (Blocher wird UBS-Präsident). Alle wussten alles. Nur, dass Marcel Ospel schon am nächsten Morgen seinen Rücktritt bekannt gibt, das wusste an diesem Montagabend noch keiner!


Schnell ins Albisgüetli

Wie ein Gespenst in Lederjacke (hellbeige) spazierte er durchs Albisgüetli: John Schnell, einst Zürichs berühmtester Zahnarzt und Playboy, kam spätnachts an der Jubilee Show des Dixie-Festivals. Kompliment dem unverwüstlichen Mann, der immer noch ein Adlerauge für schöne Frauen hat: In einem Alter (um die 80), wo andere nur noch vor dem Fernseher sitzen, tanzt er Blues. Sein Geheimnis: Steht jeden Morgen um sechs Uhr auf, macht Gymnastik und trinkt (von der jeweiligen Gefährtin) frisch gepressten Beerensaft.
Beim Dixie-Fest auch gesichtet: Stadtpräsident Elmar Ledergerber, Kulturattaché Jean-Pierre Hoby, die Sänger Toni Vescoli und Jeff Turner, Circus Conelli Direktor Herbie Lips, Matthias Ackeret (u.a. Autor «Das Blocher-Prinzip»).


Newcomer

Wenn Nico Maeder zur Party bittet, geht die ganze Jeunesse Dorée hin. Im «Diagonal» veranstaltet er jetzt viermal im Jahr eine «Four Seasons Party». Nur für Geladene! Wer Nico nicht kennt, kommt an der Listenlady am Eingang nicht vorbei! Nico Maeder waltete als CEO bis vor kurzem in Carl Hirschmanns Club «Saint Germain» (Highlight: er bediente Paris Hilton). Jetzt will Maeder, der lange Maître im «Rive Gauche» war, zurück zu seinen Wurzeln. Sein neuer Partner ist Multikünstler Dieter Meier (u.a. Yello), mit dem er ein Projekt für neue Restaurants hat. Das klingt nach Erfahrung. Nico Maeder ist erst 31!


 

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