Notizen zu Namen

April | Woche 17

Lästiges Intermezzo für Starbariton

von Hildegard Schwaninger

Bariton Thomas Hampson, schöne Stimme, schöner Mann, gibt nächsten Sonntag ein Konzert in Zürich (Opernhaus), aber drei Tage später steht ihm ein lästiger Termin bevor. Er muss in den Zeugenstand treten für seine Lebensgefährtin Andrea Gräfin Herberstein. Sie ist des schweren Betrugs angeklagt und steht in Graz vor Gericht. Die Anklage: Für ihren Tierpark und ihr Schloss hat sie Fördergelder in Millionenhöhe vom Staat bezogen, diese aber für andere Zwecke verwendet. Rechnungen wurden umgeschrieben, Schwarzgeldeinnahmen nicht versteuert, und eine Doppelbuchhaltung geführt. Nutzniesser dieser fatalen Aktion war auch Hampson, der so ernsthaft und reflektiert die Lieder von Gustav Mahler singt: Eine Rechung für Bäumeschneiden auf Schloss Herberstein für 17'270 Euro bezahlte in Wahrheit Gartenarbeiten in Thomas Hampsons Villa in Wien. Auch die Rechnung für einen Tisch für 10'000 Euro für die Hampson-Villa wurde umgeschrieben für Fensterrenovationen im subventionierten Schloss.
Der Prozess ist spektakulär.

Andrea Herberstein hatte es nicht einfach im Leben. Die Tochter eines Polarforschers war zwanzig, als sie Otto Graf Herberstein heiratete, bekam drei Kinder. Finanzielle Probleme gab es immer. Der Graf war alkoholkrank und nicht immer nett zu ihr. Manchmal stellte er in dem Schlossteil, wo seine entfremdete Frau lebte, tagelang Wasser und Strom ab. 1987 kam es zur Scheidung, Andrea Herberstein, geborene Untersteiner, fand eine neue Liebe in Thomas Hampson. Der Graf starb 1994.
Andrea Herberstein ist kunstsinnig, baute das Kulturfestival «styriarte» auf. Heute erhält sie monatlich ein Gehalt von 320 Euro für ihre Mitarbeit bei der Stiftung Hampson. Andrea Herberstein wohnt, wenn Thomas Hampson in Zürich singt, mit ihm im Waldhaus Dolder. Dort geht sie jeweils ins Schwimmbad und in die Sauna. Sie macht den Eindruck einer sehr gestressten Frau: Immer am Handy!


Der Forster Clan

Mitte der achtziger Jahre, zur Zeit der Hochkonjunktur, waren die Forsters reich. Ulli Forster war eine blendende Erscheinung, immer lustig und mit blonder Mähne. Sie gab Feste in ihren Häusern in Davos und im Aargau, die internationale Gesellschaft ging bei Forsters ein und aus. Ihr Mann Wolf Forster war Arzt und hatte in der Pharmaindustrie ein Vermögen gemacht.

Anfang der neunziger Jahre verlor er alles Geld, die Familie war pleite, und zum finanziellen Desaster kamen noch Krankheiten. Einer der drei Söhne, Wolfgang Forster, von Geburt behindert und schizophren, beging Selbstmord, zwei Monate später starb Ulli Forsters Mann. Es war eine Dekade des Grauens. Ulli Forster ging es schlecht, und es begann die Zeit, wo das Telefon nicht mehr läutet.

Und dann wendete sich das Blatt! Ulli Forsters Sohn Marc Forster (Abb.) ist plötzlich der Regisseur, auf den die ganze Schweiz stolz ist, und einer der berühmtesten Regisseure Hollywoods, der jetzt den neuen James Bond Film «Quantum of Solace» dreht. Wie kann doch das Leben manchmal gerecht sein! Ihr anderer Sohn, Peter Forster, ist ein angesehener Anwalt in Zürich.

Wir assen Mittag im The Dolder Grand, Zürichs im Moment meist diskutierte Novität.
Tags zuvor hatte Urs E. Schwarzenbach zum Lunch eingeladen. Er wollte einer ausgewählten Klientel zeigen, was sein Küchenchef Heiko Nieder mit seinem Team alles kann. Unter den Gästen war André Jaeger von der Fischerzunft Schaffhausen, die berühmteste Schweizer Köchin Vreni Giger vom Jaegerhof in St.Gallen (17 Punkte im GaultMillau 2008), Jacky Donatz vom Sonnenberg. Westernstar Clint Eastwood war auch da, doch bei näherem Hinsehen erkannte man, dass es Wolfgang Kuchler von der Taverne zum Schäfli in Wigoltingen war. Geladen waren auch Staranwalt Peter Nobel, Galerist Bob von Oursow und der Schönheitschirurg Hermann Sailer, der durch seine runde Brille (Markenzeichen!) nach potentiellen Kundinnen spähte. Leider war nur Silvia Affolter da (The Dolder Grand-Verwaltungsrätin), und die braucht ihn nicht. Sie ist schön genug.

Mit Ulli Forster sassen wir im Gartenrestaurant. Am Nebentisch die Mutter des berühmten Zürcher Onkologen Dr. Victor (für seine Mutter: Vicky) Hofmann. Dann kamen drei jüngere Männer herein. Was machen denn die Handwerker da? Das Hotel ist doch fertig gebaut. Es waren Gäste. Ach ja, die Kellner sind immer besser angezogen als die Kunden. Salat, Risotto, ein Glas Prosecco. Alles war vorzüglich.

Jetzt ist Ulli Forster, nach allen Schicksalsschlägen, wieder ganz oben. Sie hat einen Freund, Jurist, 21 Jahre jünger als sie («ein hochanständiger Mensch»), und Marc Forster verwöhnt seine Mutter. «Er hat mir ein First Class Ticket nach New York geschickt, und mich im Gramercy Park Hotel untergebracht. Da sagte ich «Marc, tausend Dollar die Nacht, das ist doch schade ums Geld, und zog ins Regency.» Im Bond-Film ist sie eine Statistin, sie nimmt zwei Freundinnnen, Beatrice Hagenbach und Nica Schlegel, die Schwester von Kaspar Fleischmann (in seiner Villa wohnt Tina Turner), mit.


 

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