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April | Woche 18
von Hildegard Schwaninger
Urs E. Schwarzenbach (Abb.) hat mit The Dolder Grand sich selbst ein Denkmal gesetzt. Unauslöschlich ist sein Name jetzt in den Annalen der Stadt Zürich verewigt. Den Zürchern hat er ein Geschenk gemacht: das erste Bauwerk von Sir Norman Forster an der Limmat. Zwei Fliegen mit einer Klappe! Jetzt gilt es, das Nobelhotel mit Leben zu füllen. Bei der Eröffnungsparty letzten Donnerstag sollte den Zürchern die Schwellenangst vor diesem Monument genommen werden. Tausend waren eingeladen.
Statt Shuttle-Bussen standen zehn Maybachs, brandneu aus der Fabrik in Stuttgart (Maybach gehört zu Mercedes) gemietet, bereit und fuhren die Gäste vom Parkplatz zum Hotel. Dort drängten sich die Menschen, strahlend im Glanz ihrer Vorfreude. Urs E. Schwarzenbach stand da, der Sonnenkönig vor seinem Versailles, und begrüsste jeden Gast mit Handschlag. Neben ihm seine schöne, einen Kopf grössere Frau Francesca (Abb.). Dann Sohn Guy Schwarzenbach, der in die Fussstapfen des Vaters tritt. Auch er Devisenhändler und Polospieler. Urs Schwarzenbach musste diesen Sport nach einem Polo-Unfall vor anderthalb Jahren aufgeben. «Es ist ein Wunder, dass ich nicht im Rollstuhl sitze». Deshalb konnte der Zünfter (Riesbach) auch beim Sechseläuten nicht am Umzug mitmarschieren. «Ich ging nur zum Mittagessen und zum Abendessen.»
Hotelmanager Thomas Schmid kann bereits resümieren, dass «wir an die Tradition des alten Dolder anknüpfen. Bei uns finden die grossen Bälle statt.» Silvia Affolter ist, mit Martin Candrian aus der Gastro-Unternehmer-Familie, die auch Mitbesitzer des Suvretta House in St.Moritz ist, Verwaltungsrätin. Das Dolder war Affolters erster Kunde, als die Fernsehjournalistin mit dem Hotelfernsehen City Guide TV vor acht Jahren ihre eigene Firma gründete. Affolters ex-Freund Siro Barino arbeitet zurzeit an Schwarzenbachs neuestem Projekt: Der Milliardär investiert 65 Millionen Franken in den Flughafen Samaden.
Kaum hatte man den Begrüssungsakt absolviert, ging man die Treppe hoch zum Rundgang. Da flatterte einem die blonde Lifestyle-Interviewerin Patricia Boser entgegen, das Mikrofon in der Hand, und fragte etwas, was die Tele Züri Zuschauer interessieren könnte.
Alt-Bundesrat Adolf Ogi war auch präsent. Die Frau von Bundesrat Moritz Leuenberger, Architektin Gret Loewensberg, ging ganz im Gedränge unter.
Viertausend Glas Champagner versetzten die Gäste in Schwung. Es wurde serviert und dauernd nachgeschenkt, Wasser, Vodka, Wein, die Grosszügigkeit des Gastgebers kannte keine Grenzen. Es gab Kaviar, Hummer, Trüffel und Delikatessen vom Feinsten. Nichts war dem Personal zu viel. Für Damen, die auf der Terrasse standen und rauchten (The Dolder Grand ist ein Nichtraucher-Hotel), rauschten die Kellner zur Garderobe und holten die Mäntel. Jedermann wurde an diesem Abend behandelt, als wäre er Urs Schwarzenbach persönlich.
Viele gutaussehende Frauen und attraktive Männer waren da. Vier Geigerinnen aus London spielten im Festsaal. Die Truppe, samt Trapezkünstlern und Musikkapelle, heisst «Young Guns». Viele Gäste blieben bis drei Uhr früh.
Es war ein Abend mit weltmännischem Flair und lokaler Besetzung. Generalprobe für den ganz grossen Abend, der Mitte Mai stattfindet. Das ist dann das hochkarätige Opening für die Freunde von Urs Schwarzenbach. Das Faszinosum dieses Mannes ist, dass er geheimnisumwittert ist. So ist noch nichts von diesem Abend an die Oeffentlichkeit gedrungen. Ausser, dass die Gäste angehalten sind, in Smoking und Abendkleid zu erscheinen. Adel wird kommen und Hochfinanz, Crestafahrer aus dem Engadin, und Polospieler aus Argentinien. Und Patricia Boser wird einem nicht entgegenflattern.
Weitere Massnahmen zur Belebung des Dolder Grand: Einmal im Monat am Dienstag gibt es in der Bar Jazz mit Alt-Werber Robi Weber und seinem Quartett. Premiere ist am 29. April.
Lo Sciopero
Opfer italienischer Gepflogenheiten wurde der Stadtrat von Zürich, als er, angeführt von Stadtpräsident Elmar Ledergerber (mit Lebenspartnerin Marie-Claire Meienberg) nach Genua reiste. Die Delegation aus Zürich wollte am Donnerstagabend die Oper besuchen («La Sonnambula» von Vincenzo Bellini). Leider mussten sie den Abend am Hafen im Hotel verbringen. Es war Streik!
Die Flucht
Der Schauspieler und Regisseur Helmut Lohner, der in Zürich im Herbst die Operette «Graf von Luxemburg» inszeniert (Saisoneröffnung des Opernhauses im Stadttheater Winterthur), viele Jahre in der Schweiz gelebt hat und hier ein Liebling des Schauspielhaus-Publikums war, flüchtete vor seinem 75. Geburtstag aus Wien, wo er geboren wurde und heute lebt. Ganz Wien rätselte, wo er wohl sein mag. Er war in Zürich, besuchte hier in der Tonhalle das Konzert des Pianisten Rudolf Buchbinder. Dann flog er weiter nach Madrid, wo er, mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Gürtler, der Besitzerin des Hotel Sacher und Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule, den eigentlichen Geburtstag hinter sich brachte.
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