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Februar | Woche 06
von Hildegard Schwaninger
Russische Frauen beschäftigen die Phantasie der Männer. Kein Wunder, dass sich Freitagnacht Legionen unternehmungslustiger Herren vor dem «Diagonal» drängten. «Russian Night» war angesagt. Mit dreissig Franken Eintritt war man dabei (Clubmitglieder gratis).
Drinnen wirbeln die schönen Russinnen. Ein Glas Champagner der Edelmarke Louis Roederer wird schon am Eingang offeriert, so kommt man schnell in Stimmung. Eine junge Frau mit strahlendem Lächeln, weissem Sommerkleid und einer Pelzmütze auf dem Kopf geht mit einem Tablett Wodkagläsern herum.
Eine Russin vollführt auf der Tanzfläche einen Balztanz, ein Schweizer, Zigarette im Mund und Hände in den Hosentaschen, schaut ihr gelangweilt zu. Ein schönes Paar kuschelt, und eine blonde Gazelle mit hohen Backenknochen tanzt selbstversunken allein. Ihre Stiefel mit spitzen Absätzen ziehen die Blicke der Männer auf sich. Um ein Uhr früh ist hier reinste Walpurgisnacht.
Zwar, flüstert mir ein graumelierter Connaisseur zu, kämen viele Frauen
«aus dem Milieu», aber was soll’s? Das tut der Stimmung keinen Abbruch.
Neugierig, frage ich dann doch ein paar Russinnen, was sie in Zürich
machen. Alle geben die gleiche Antwort: «Studieren Deutsch.»
Gutaussehende Männer umlagern die Bar und zahlen mit 1000er und
200er-Noten. Das Duo Dwojka, in russischer Tracht, spielt russische
Folklore, irgendwo soll Michelle Morand
(Bild), Miss Zürich 2009, herumschwirren. An den Tischen sitzen ein
paar nimmermüde Oldies und lassen den Champagner flaschenweise
auffahren.
So auch der im Moment etwas glücklose Gastronom Wolf Wagschal, der nicht weit ist, wenn irgendwo junge Frauen sind. Von seiner
Five AG ist nur noch die Stapferstube (heute T für Ticino) geblieben,
auch das Restaurant Riva in Wollishofen musste er schliessen. (Geht am
1.Mai unter neuer Führung wieder auf!) Mehr Glück hat er als Berater.
Mit seinem Flair für Events berät er das Rive Gauche im Baur au Lac,
macht dort einen guten Job.
Der Besitzer des Diagonal Charles Roulet hat
Grund zur Freude. Das Diagonal, 40 Jahre alt und damit ein Dinosaurier
unter den Nachtclubs, ist ein Renner. An den Wochenenden geht hier die
Post ab. Am wildesten, sagt der Mann, der als eine Art Club-Zerberus
fungiert (er ist seit der Gründung dabei, wurde noch von Club-Erfinder Charles Kracht eingestellt), sei das Oktoberfest. Und bald geht die nächste grosse Party ab. Am 20. Februar. Da ist Fasnacht!
KRAMERS NEUERÖFFNUNG
Freude herrscht, denn das Zunfthaus zu den Zimmerleuten ist, drei Jahre
nach dem unseligen Brand, bald fertig. Am 2.Oktober wird es, in neuem
Glanz, eröffnet. «Genau wie vorher, nur noch schöner», wie Pächter
Christian Kramer von Kramer Gastronomie stolz verkündet. «Wer in einem
der wunderschönen Säle essen will, kann jetzt schon buchen.»
Neue
Geschäftsführerin wird Tamara Gerber sein, von der sich Kramer einiges
erhofft, «sie hat die klassische Gastro-Ausbildung, und arbeitete
bisher in der Spitalgastronomie.» Das kulinarische Angebot bleibt
klassisch traditionell, wie man es von einem Zunfthaus erwartet, aber
etwas modernisiert. Am kommenden Sechseläuten geniessen die
Zimmerleuten-Zünfter noch das Gastrecht im Metropol, wo sie seit dem
Brand Unterschlupf fanden.
SCHÖNE AUSSICHTEN
Was für einen stylischen Chefdirigenten wir doch bekommen! Fabio Luisi (Bild),
der mit Intendant Andreas Homoki 2012 ins Opernhaus einzieht, steht
ganz oben auf der Liste der bestangezogenen Dirigenten (Jury: das New
Yorker Trendmagazin «W»). Alles, was er trägt, ist Massarbeit. Auch die
Schuhe (Scheer, Wien). Am Dirigentenpult trägt er einen
mitternachtsblauen Frack (niemals schwarz), ebenfalls Haute Couture aus
Wien. Seinen Dirigentenstab verwahrt er in einem Porte-bâton aus Leder,
gefertigt von Hermès in Paris, entworfen von seiner Frau Barbara.
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