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März | Woche 10
von Hildegard Schwaninger
Der Zopf von Sprüngli, den man als „B’haltis“ spätnachts mit nachhause nehmen durfte, war symbolisch für das Familiäre, das den Zürcher Opernball ausmacht. Zehn Jahre, nachdem der Intendant zum ersten Mal auf der Opernhausbühne „Alles Walzer!“ ausrief, ist der Opernball eine Institution. Man tanzt schon in zweiter Generation, der Ball wird immer jünger, die Opernfreunde bringen ihren Teenager-Nachwuchs mit. So geht in der Disco, eingerichtet auf der Studiobühne, bis im Morgengrauen die Post ab.
Für das Opernhaus bringt der Anlass 750'000 Franken. Der Einsatz der Mitarbeiter ist total. Freitagabend stand Intendant Alexander Pereira (Bild), die Umtriebigkeit in Person, in „Ariadne auf Naxos“ noch als Haushofmeister höchstpersönlich auf der Bühne, am Sonntag wird „Idomeneo“ gespielt. Dass zwischendurch - im festlich geschmückten Haus - dieser gigantische Ball mit fast 2000 Besuchern stattfinden kann, ist eine Meisterleistung der Logistik und Technik. Grischa Asagaroff, künstlerischer Betriebsdirektor, führt da mit Zauberhand Regie.
Alexander Pereira, im Frack und einen Orden auf der Brust, strahlte in unzählige Kameras und Fernsehkameras. Freundin Daniela Weisser
erschien in klösterlich-züchtigem Schwarz, aus dem einstigen
Erotikmodel ist eine Fair Lady geworden. Perfekte Pygmalion-Leistung
Pereiras! Die junge Brasilianerin ist zwar jetzt geschieden, aber dass
der Hochzeitsmarsch aus dem „Lohengrin“ erklingen kann, dem steht noch
einiges im Wege: Pereira ist noch verheiratet. Daniela Weissers
Tischherr war TV-Star Kurt Aeschbacher (Bild).
Julia Saner, die jüngste
Vorzeige-Frau der Schweiz (die Gewinnerin Elite-Model-Contest geht noch
ins Gymi), spielte, auf ihren Plateau-Sohlen hoch wie ein
Wolkenkratzer, Glücksfee bei der Tombola. Ex-Regierungsrätin Rita Fuhrer (Bild) gewann den Hauptpreis: eine Chinchilla-Jacke im Wert von 24'000 Franken.
Opernkünstler, die früher zur Balldekoration gehörten und die Tische der Sponsoren bereicherten, sah man keine. Sopranistin Elena Mosuc, mit ihrem Mann Christoph Hebeisen sonst immer am Opernball, musste verzichten. Die Proben für „Hoffmanns Erzählungen“ sind streng. Dafür sang Vittorio Grigolo unter
anderem „O Sole mio“.
Am Opernball redet man natürlich über die Oper.
Ein paar Geheimnisse aus dem nächsten Spielplan seien hier verraten:
Elena Mosuc wird Bellinis „Norma“ singen. Der legendäre Robert Wilson („Ring des Nibelungen“) führt Regie; er wurde kürzlich im Restaurant „Wolfbächli“ gesichtet. Es gibt unter Hausdirigent Daniele Gatti einen neuen „Don Carlos“ mit Jonas Kaufmann, und in „Tannhäuser“ singt Vesselina Kasarova die Venus. Auch auf die „Perlenfischer“ von Bizet darf man sich noch unter der Aera Pereira freuen.
Die Powerfrauen, die Volleinsatz für die Ball-Organisation geleistet
haben, sind auch in Sachen guter Laune an vorderster Front. Martina Baeriswyl- Holzach, Public Relations-Unternehmerin, mit Ehemann Florin Baeriswyl fröhlich beim Tanz der Quadrille. Barbara Frey (Autohaus Emil Frey AG) mit ihrem Mann, SVP-Politiker Walter Frey, in der Chillout Lounge, wo Jazzer Malcom Green Saxophon spielt und Neffe Franz Rhomberg sich ums Catering (Franzoli) kümmert. Marianne Kaiser von der Tanzschule studierte die Eröffnungstänze ein, Couturière Rosmarie Amacher kreierte die Kleider der Debütantinnen sowie den Frack von Pereiras Mitarbeiter Matthias von Bausznern.
Am Opernball dabei: Pepe Lienhard (spielte mit seiner Band zum Tanz auf), Michel Rey, Direktor des Hotel „Baur au Lac“ (verantwortlich für das von Maurice Marro kreierte Diner), Opernhaus-VR-Präsident Josef Estermann, Manager Peter Wuffli, der Landesprovinzial Liechtenstein Schweiz des Ritterordens des heiligen Wenzel Peter Castelberg (einer der Herren im Frack), Tennisspielerin Martina Hingis (Bild) mit Riesendekolleté und ihrem Verlobten, Rechtsanwalt Andreas Bieri, Circusdirektor Franco Knie (spendete als Tombolapreis Eintritte in Knies Kinderzoo), Lufthansa CEO Christoph Franz, Lindt&Sprüngli CEO Ernst Tanner (grosszügiger Sponsor, im ganzen Haus wurden Pralinen à discrétion herumgereicht), Globus-Reisen-Unternehmer Sergio Mantegazza, nach Forbes Magazin einer der 350 reichsten Männer der Welt, Fernseh-Star Patricia Boser, ex-TV-Direktorin Ingrid Deltenre und Sacha Wigdorovits (gewannen bei der Tombola Schmuck von Péclard), Weinhändler Marc Fischer (Steinfels Weinauktionen), Schauspieler Stefan Gubser, Immobilienunternehmer Gerhard Walde, Galerie Koller Besitzer Cyril Koller (eine Tochter war Debütantin), Juwelier Bernhard Blum (zurück vom Urlaub auf den Seychellen), Bank Wegelin-Teilhaber Christian Hafner, der Sänger und Schubertiade-Gründer Christian Jott Jenny alias Leo Wundergut, TV-Wirtschaftsanalystin Marianne Fassbind mit Ehemann Markus Gisler, die Rapperswiler Unternehmerin (WICOR) und SwissLife-Verwaltungsrätin Franziska Tschudi, der Psychiater und Wissenschafter Bertrand Piccard,
der erste Mensch, der in einem Ballon die Erde umkreiste. Voller Eifer
kreiste er mit seiner Frau beim Walzer auf der Tanzfläche.
Für Christian Steinmann
war es der letzte Ball als Präsident der Opernfreunde, dann tritt er
nach neun Jahren zurück. Pereira wird noch an zwei Opernbällen
Gastgeber sein, ehe er uns Richtung Salzburg verlässt. Dass die Zürcher
unter seinem Nachfolger Andreas Homoki
weiter im Opernhaus tanzen werden, bezweifelt niemand. Der Opernball
ist heute ein Fixstern in der Agenda der Zürcher Gesellschaft.
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