|
Juli | Woche 30 Frauen Power im Zunfthaus |
Juli | Woche 29 |
Juli | Woche 28 |
Juli | Woche 27 |
| JANUAR | | | FEBRUAR | | | MÄRZ | | | APRIL | | | MAI | | | JUNI | | | JULI | | | AUGUST | | | SEPTEMBER | | | OKTOBER | | | NOVEMBER | | | DEZEMBER |
| ARCHIV | ||||||||||||||||||||||
Juli | Woche 30
von Hildegard Schwaninger
Der Anlass war vielversprechend. Drei prominente Frauen, die auch einen gewissen Glamour haben, sprechen über ihren Lebensweg. «My Way» hiess die Veranstaltung, und auf dem Podium standen Barbara Artmann (Bild), Besitzerin von Künzli-Schuhe und Gewinnerin des Swiss Award für Wirtschaft, Nadja Schildknecht (Bild), ex-Model und Chefin des Zurich Film Festivals, Doris Fiala (Bild), Politikerin und PR-Unternehmerin.
Die Zunftstube im dritten Stock des Zunfthauses zur Waag war trotz schönen Wetters gerammelt voll, circa 100 Gäste, fast alles Frauen, Männer waren dünn gesät, man sah Urs Derendinger, Chef der Schweizer Börse.
Veranstaltet wurde das Podiumsgespräch von Olivia Bossart, Erfinderin und Chefin des Frauennetzwerks Kion. Olivia Bossart ist eine umtriebige Networkerin; sie organisiert Anlässe und – das scheint ihr liebstes Hobby zu sein – tritt dort auch als Moderatorin auf. Genau das ist das Problem. Olivia Bossart mag eine tüchtige Organisatorin sein, ein Oprah Winfrey wird sie nie. Es wird von einem Thema zum anderen gezappt, und am Schluss hat man nicht viel erfahren.
Es war mehr wie beim Motivationstraining. Schuhfabrikantin Artmann, die
sich selbst als Sternenkind betrachtet (soll heissen, dass ihr alles
glückt, was sie anpackt), erzählte, dass sie – Angestellte bei der
Zürich Versicherung – dachte, sie wolle selbständig werden, «und da
hatte ich die Idee, ich kaufe eine Firma, und das Schicksal hat mir
Künzli zugedacht».
Die jungen Frauen im Publikum, die sich auch gerne
einen Lebensweg zurechtzimmern wollen, waren etwas ratlos. Ja gut, aber
wie macht man das?
Auch Nadja Schildknecht wurde nicht besonders konkret. Nach dem KV
wurde sie Model, «ich reiste zehn Jahre um die Welt, das gab mir eine
gewisse Internationalität und Offenheit», und dann, bei Wein und Käse
am Küchentisch wurde die Idee des Filmfestivals geboren. «Wenn man
genug Leidenschaft mitbringt, dann kann man Sachen erreichen, die man
nie gedacht hätte, dass man sie erreichen kann.» Dass Urs Rohner, der
CS Banker, der damals eine Familie und drei Kinder hatte und heute
Vater ihrer Tochter ist, da auch mitgeholfen hat, blieb unerwähnt.
Die vor Vitalität glühende Doris Fiala nahm das Mikrofon in die Hand
und redete, als wäre sie an einer Wahlkampfveranstaltung. Laut, mit
Ueberzeugungskraft und immer wieder die Floskel «Meine Damen und
Herren» einflechtend. Sie redete von Mut und Hartnäckigkeit, die es
braucht, um sich und sein Geschäft erfolgreich aufzubauen, sagte «Man
muss die Welt nicht verändern wollen, man muss seinen Beitrag leisten
wollen», und erzählte das Neueste von sich selbst: Sie macht gerade
ihren Master in Sicherheitspolitik und Krisenmanagement.
Fialas
Laufbahn hat ja eine gewisse Buntheit. Bevor sie ihren Mann, der aus
der damaligen Tschechoslowakei stammt, heiratete und Mutter von drei
Kindern wurde, war sie im Gastgewerbe tätig. Einmal arbeitete sie im
Baur au Lac. Da lernte sie auch den Umgangston im Gastgewerbe kennen,
der rauer ist als im Militär.
Einmal benutzte sie statt der
Personaltoilette die Gästetoilette und wurde dabei von Herrn Rey, dem
Direktor (Vater des heutigen Direktors Michel Rey) erwischt. Sie wurde
fürchterlich geschimpft.
Die Damenrunde redete viel von Optimismus, den man haben sollte, und
vom Glauben an sich selbst. Eine Zuhörerin, die eine Frage aus dem
Publikum stellte, kam dann endlich zur Sache: «Und wie finanziert man
das Ganze?» Beim Thema Finanzen kam man dann etwas Realität in die
Runde. «Heute ist die Finanzbeschaffung knüppelhart. Ob für
Firmengründung, Sponsoring, wenn kein Return of investment da ist,
nützen alle Beziehungen nichts», resümierte Nadja Schildknecht. Und
Fiala doppelte nach: «Wenn man von Null anfängt, selbst mit dem besten
Businessplan, ist es heute nicht einfach, das Geld aufzutreiben, das
man für den Schritt in die Selbständigkeit braucht.»
Dann ging man zum Cocktail, (im Eintrittspreis von 30 Franken inbegriffen), den Zunfthaus-Wirt Sepp Wimmer (Bild) liebevoll vorbereitet hatte.