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FRAUEN POWER IM ZUNFTHAUS


von Hildegard Schwaninger

Der Anlass war vielversprechend. Drei prominente Frauen, die auch einen gewissen Glamour haben, sprechen über ihren Lebensweg. «My Way» hiess die Veranstaltung, und auf dem Podium standen Barbara Artmann (Bild), Besitzerin von Künzli-Schuhe und Gewinnerin des Swiss Award für Wirtschaft, Nadja Schildknecht (Bild), ex-Model und Chefin des Zurich Film Festivals, Doris Fiala (Bild), Politikerin und PR-Unternehmerin.

Die Zunftstube im dritten Stock des Zunfthauses zur Waag war trotz schönen Wetters gerammelt voll, circa 100 Gäste, fast alles Frauen, Männer waren dünn gesät, man sah Urs Derendinger, Chef der Schweizer Börse.

Veranstaltet wurde das Podiumsgespräch von Olivia Bossart, Erfinderin und Chefin des Frauennetzwerks Kion. Olivia Bossart ist eine umtriebige Networkerin; sie organisiert Anlässe und – das scheint ihr liebstes Hobby zu sein – tritt dort auch als Moderatorin auf. Genau das ist das Problem. Olivia Bossart mag eine tüchtige Organisatorin sein, ein Oprah Winfrey wird sie nie. Es wird von einem Thema zum anderen gezappt, und am Schluss hat man nicht viel erfahren.

Es war mehr wie beim Motivationstraining. Schuhfabrikantin Artmann, die sich selbst als Sternenkind betrachtet (soll heissen, dass ihr alles glückt, was sie anpackt), erzählte, dass sie – Angestellte bei der Zürich Versicherung – dachte, sie wolle selbständig werden, «und da hatte ich die Idee, ich kaufe eine Firma, und das Schicksal hat mir Künzli zugedacht».

Die jungen Frauen im Publikum, die sich auch gerne einen Lebensweg zurechtzimmern wollen, waren etwas ratlos. Ja gut, aber wie macht man das?
Auch Nadja Schildknecht wurde nicht besonders konkret. Nach dem KV wurde sie Model, «ich reiste zehn Jahre um die Welt, das gab mir eine gewisse Internationalität und Offenheit», und dann, bei Wein und Käse am Küchentisch wurde die Idee des Filmfestivals geboren. «Wenn man genug Leidenschaft mitbringt, dann kann man Sachen erreichen, die man nie gedacht hätte, dass man sie erreichen kann.» Dass Urs Rohner, der CS Banker, der damals eine Familie und drei Kinder hatte und heute Vater ihrer Tochter ist, da auch mitgeholfen hat, blieb unerwähnt.

Die vor Vitalität glühende Doris Fiala nahm das Mikrofon in die Hand und redete, als wäre sie an einer Wahlkampfveranstaltung. Laut, mit Ueberzeugungskraft und immer wieder die Floskel «Meine Damen und Herren» einflechtend. Sie redete von Mut und Hartnäckigkeit, die es braucht, um sich und sein Geschäft erfolgreich aufzubauen, sagte «Man muss die Welt nicht verändern wollen, man muss seinen Beitrag leisten wollen», und erzählte das Neueste von sich selbst: Sie macht gerade ihren Master in Sicherheitspolitik und Krisenmanagement.

Fialas Laufbahn hat ja eine gewisse Buntheit. Bevor sie ihren Mann, der aus der damaligen Tschechoslowakei stammt, heiratete und Mutter von drei Kindern wurde, war sie im Gastgewerbe tätig. Einmal arbeitete sie im Baur au Lac. Da lernte sie auch den Umgangston im Gastgewerbe kennen, der rauer ist als im Militär.

Einmal benutzte sie statt der Personaltoilette die Gästetoilette und wurde dabei von Herrn Rey, dem Direktor (Vater des heutigen Direktors Michel Rey) erwischt. Sie wurde fürchterlich geschimpft.

Die Damenrunde redete viel von Optimismus, den man haben sollte, und vom Glauben an sich selbst. Eine Zuhörerin, die eine Frage aus dem Publikum stellte, kam dann endlich zur Sache: «Und wie finanziert man das Ganze?» Beim Thema Finanzen kam man dann etwas Realität in die Runde. «Heute ist die Finanzbeschaffung knüppelhart. Ob für Firmengründung, Sponsoring, wenn kein Return of investment da ist, nützen alle Beziehungen nichts», resümierte Nadja Schildknecht. Und Fiala doppelte nach: «Wenn man von Null anfängt, selbst mit dem besten Businessplan, ist es heute nicht einfach, das Geld aufzutreiben, das man für den Schritt in die Selbständigkeit braucht.»

Dann ging man zum Cocktail, (im Eintrittspreis von 30 Franken inbegriffen), den Zunfthaus-Wirt Sepp Wimmer (Bild) liebevoll vorbereitet hatte.


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